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Hier möchte ich über meine Erfahrungen berichten. ...nein, hier geht´s nicht um das, was ihr meint ;­) !

 

Hier geht´s um meine Erfahrungen in der Modelbranche. Und da schlechte Erfahrungen sich sowieso viel interessanter lesen als gute, mal ganz davon abgesehen, dass sie auch lehrreicher sind, werde ich diese mal schildern. Aber bitte versteht das nicht falsch. Es versuchen nicht ständig irgendwelche Leute, mich reinzulegen. Ganz im Gegenteil habe ich hauptsächlich gute Erfahrungen gemacht. Aber auch andere Dinge sind mir passiert, und die könnt ihr hier nachlesen:

 

Dass ich immer mal wieder Post von ¨Agenturen¨ erhalte, die zunächst mal Geld kassieren wollen, bevor sie ein Model in ihre Kartei nehmen, oder die direkt das Copyright sämtlicher Fotos aus der Mappe des Models haben wollen, bin ich schon fast gewöhnt und reagiere meist gar nicht mehr darauf.

Vor einiger Zeit habe ich aber Post von einer Firma erhalten, die angeblich Fashion­Shows ausrichtet und an mir als Model interessiert war. Ich rief dort an und teilte mit, dass ich wenig Laufsteg­Erfahrungen habe (hat sich mittlerweile geändert), mit meinen 173 cm etwas klein sei und vielleicht deshalb nicht so ganz die Richtige sei. Am Telefon sagte man mir aber, dass dies kein Problem sei, weil man genügend Zeit eingeplant habe, um die Choreografie einzuüben. Nun gut, wir machten also einen Vorstellungstermin aus.

Als ich bei der Firma eintraf, war ich sehr überrascht, kein Büro­, sondern ein ganz normales Wohnhaus vorzufinden. Die Räumlichkeiten der Firma selbst sahen auch nicht nach einem Bür aus, sondern ähnelten eher einer schlecht und billig eingerichteten Wohnung. Zum Beispiel stand darin einer jener Plastikwohnzimmerschränke, die man für teilweise unter hundert DM in Billig­Möbelgeschäften erstehen kann. Computer oder gar eine Schreibmaschine fand ich in dem kleinen Raum jedoch nicht. Vielleicht konnte ich sie aber auch vor lauter Zigarettenrauch einfach nur nicht sehen.
Die Wände waren mit Bildern von bekannten Models geschmückt, die so aus Zeitschriften ausgeschnitten waren, dass es wohl so aussehen sollte, als ob die Models bei genau dieser Firma arbeiteten.

Ich wurde von zwei Herren begrüßt, die sich beide mit einem typisch deutschen Namen vorstellten. Das wunderte mich schon etwas, da beide offensichtlich Südländer waren, was man auch an ihrem Akzent hören konnte. Na ja, aber vielleicht hatten sie ja auch jeweils eine deutsche Frau geheiratet und den Namen übernommen...

Wir setzten uns, und die Herren meckerten zuerst mal an meiner Sed­Card herum. Fotos und Layouts sind natürlich immer Geschmacksache, aber genau diese Sed­Card wurde schon mehrmals von seriösen Fotografen und Model­Agenturen gelobt, so dass mich irgendwelches Gerede darüber nicht sonderlich stört.

Dann wurde ich nach meinen üblichen Gagen gefragt. Ich verlange branchenübliche Sätze und nannte diese auch. Die Herren lachten darüber und meinten, dass ich bei ihnen ein Vielfaches verdienen könnte.

Danach schwärmten sie mir in den höchsten Tönen von ihrer Agentur (ja, auf einmal handelte es sich um eine Model­Agentur) vor und welchen Erfolg sie damit hätten. Zwischenzeitlich fragten sie mich immer wieder, ob ich denn WIRKLICH für den Erfolg und das große Geld bereit sei. Einer der Herren sei im Übrigen selbst ¨weltweites Topmodel¨ (es lag sicherlich an mir, daß ich sein Gesicht noch nie gesehen und seinen Namen noch nie gehört hatte) und sei ständig ausgebucht. Glücklicherweise habe er jedoch momentan mal drei Monate frei. Allerdings sei er am Tag vorher noch auf der Geburtstagsparty von Claudia Schiffer gewesen, wo er auch David Copperfield getroffen habe (klar, ich war ja auch am Tag vorher mit Wolfgang Joop zusammen einen trinken...)!

Anschließend widmete man sich wieder den geringen Gagen, die ich verdiene. Dabei schienen die Herren eine Art ¨guter Cop ­ böser Cop¨ zu spielen, was man auch häufig in amerikanischen Serien sehen kann. Einer von beiden versuchte, mich total klein zu machen, der andere (das Top­Model) lobte meine Willenskraft, meinte, dass er auch so angefangen habe wie ich und meinte, dass ich das absolute Traum­Model der Zukunft sei.

Mittlerweile war mir absolut klar, dass es sich hier nicht um eine seriöse Agentur handeln konnte. Noch wusste ich aber nicht, wie die beiden Herren mir das Geld aus der Tasche ziehen wollten. Ich blieb also und harrte der Dinge, die da noch kommen sollten. (Ich weiß, das war leichtsinnig von mir, mein Freund hat auch schon mit mir geschimpft.)

Und sie kamen auch endlich damit heraus, nachdem ich mir die Mappe, mit allen für die Agentur arbeitenden Models ansehen durfte. Dabei musste ich mir wirklich das Lachen verkneifen. Es waren etwa zehn Models, darunter auch das Top­Model. Die Fotos muss wirklich ein namhafter Fotograf gemacht haben, was man sofort am edlen ¨Polaroidfoto­mit­Plastikwohnzimmerschrank­im­Hintergrund¨­Design erkennen konnte. Jedenfalls habe man, da das Top­Model durch wundersamer Weise momentan Urlaub habe, geplant, einige Kurse für die bald weltbekannten Models (also auch für mich) anzubieten. Unter anderem sollten Schminktechniken, Verhalten auf dem Laufsteg, etc. gelehrt werden. Mein Protest, dass ich mich schon längst schminken könne, wurde damit beantwortet, dass ich mir meine Haut doch nicht von irgendeinem Visagisten kaputt machen lassen wolle, der sein Handwerk nicht verstehe. Außerdem seien die Kurse kostenlos. Ich müsse mich nur an den Mietkosten für die Tanzschule, in der die Kurse stattfänden, beteiligen. Insgesamt werde dies nicht einmal 600 DM kosten. Na so ein Glück! Ferner hätte ich das Geld sowieso schon bald hundertfach wieder raus. Nur könne man die Summe nicht von späteren Einnahmen von mir abziehen, da die Miete sofort fällig sei.

Nach dieser Eröffnung teilte ich den netten Herren mit, dass ich keinerlei Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit habe. Sie nervten noch ein bisschen ´rum und spielten ihr Cop­Spielchen, aber als ich sie nach der Erlaubnis von der Bundesanstalt für Arbeit, die für die Arbeitsvermittlung notwendig ist, fragte, hörten sie schnell damit auf und wurde etwas unfreundlich. Ich machte, dass ich diese gastliche Stätte verließ.

Wie gut, dass die Verbraucherzentrale gleich nebenan war. Dort hörte man sich meine Beschwerde begeistert an und informierte direkt das Gewerbeaufsichtsamt. Ich denke, diese saubere Agentur wird mit denen noch sehr viel Spaß kriegen.

 

Nun, für mich war diese Erfahrung wirklich eher spaßig, aber ich möchte nicht wissen, wie viele leichtgläubige Frauen und Männer dieser und ähnlichen Agenturen viel Geld für solche komischen Kurse in den Rachen geworfen haben.

Ich jedenfalls schminke mich immer noch ohne Kurs meistens selbst und noch kein Fotograf hat sich bei mir beschwert.

 

Falls eine/r von euch negative Erfahrungen mit Fotografen, Agenturen, etc. gemacht hat und Hilfe braucht, könnt ihr euch übrigens gerne an mich wenden. Vielleicht kann ich euch einen Tipp geben!

 

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